Das Interesse der Forschung an dem „Vater des deutschen Romans“, Georg Wickram (c 1505–c. 1562), hat seit dem 19. Jahrhundert in einer Vielfalt von Kommentaren zu seiner Schreibkunst resultiert. Vielleicht ist es seine Einzigartigkeit als Autor von einer Riehe beliebter volkssprachiger Texte aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert, die immer neue Deutungen seines Schaffens hervorgebracht hat. War die frühe Forschung hauptsächlich literatur- bzw. themen- und motivgeschichtlich orientiert, hat die neuere Forschung, vor allem der letzten zwanzig Jahre, oft literaturtheoretische Fragestellungen aufgegriffen und sowohl die Prosatexte als auch die Spiele und kürzere Texte von Wickram untersucht. Wickram kommentierte auch selbst, wie viele andere Autoren seiner Zeit, die Arbeit am Text. Er verwendete herkömmliche Themen und Stilmittel und fügte Neues hinzu, provozierte jedoch selten sein Publikum. Bedenkt man die vielen Selbstaussagen in der ich-Form, kann man von unterschiedlichen Schichten der Analysen und Interpretationen des Schreibens sprechen. Die heutige Forschung hat eine Fülle von Kommentaren und Kommentaren der Kommentare zu Wickrams Werk zu berücksichtigen. Dieser Beitrag wird versuchen, die verschiedenen Ebenen der Schreib- und Deutungsprozesse bloßzulegen und ein Fazit zu ziehen, um wenn möglich auf Leerstellen der Wickramforschung hinzuweisen.