Nach dem sogenannten Anschluss im März 1938 wurde die Lage der Juden in Österreich durch die Verfolgungsmaßnahmen der nationalsozialistischen Behör-den immergefährlicher. Juden, die zum Christentum übergetreten waren–Judenchristen im damaligen Sprachgebrauch²–, gerieten in eine besondersschwierige Situation. Die Evangelische Kirche Österreichs schlossdie protestantischen Juden bald danach aus, da sie nach den neuen Rassengesetzen „Juden“ waren, während die Jüdische Gemeinde Wien, bis März 1938 die Israelitische Kultusgemeinde Wien, nur den Glaubensjuden und nicht den Protestanten half. Christliche oder jüdische Hilfsorganisationen anderer Länder waren keineswegs daran ineressiert, inerster Linie protestantischen Juden Unterstützung zu gewähren.