Im Fokus dieses Beitrags steht die Diskurssemantik der semantischen Konzepte ostdeutsch* und (west)deutsch* im Kontext der sogenannten Oschmann-Debatte. Ausgelöst durch Dirk Oschmanns Bestseller Der Osten. Eine westdeutsche Erfindung (2023) hat diese Debatte eine kritische Auseinandersetzung mit der medialen und diskursiven Dominanz westdeutscher Perspektiven sowie der Marginalisierung und Stigmatisierung ostdeutscher Identitätskonstruktionen angeregt. Unter anderem sieht Oschmann im öffentlichen Diskurs eine praktizierte Asymmetrie, die eine negativ konnotierte Ostidentität durch Fremdpositionierungen festschreibt. Im vorliegenden Beitrag wird dafür argumentiert, dass der asymmetrische Gebrauch von ostdeutsch* und (west)deutsch* seine Wurzeln bereits im geteilten Deutschland hat, und dass die Oschmann-Debatte zur Herausbildung einer gesamtdeutschen Identität wenig beigetragen hat, reproduziert sie doch eher die stereotypen Konzeptualisierungen des Ostens und der Ostdeutschen.